Das Kunst- und Musikviertel

Wie viele gute Ideen ist auch die eines Musikerviertels nicht neu. Die zur Ausgestaltung bereits zahlreich angestellten Untersuchungen und vorhandenen Ideen könnten nun endlich durch die in Aussicht stehende Umsetzung des Kulturkraftwerkes und weiterer Projekte im Quartier verwirklicht werden – auch hier können also Gedanken zu Materie werden. Die vorzufindenden Gegebenheiten des zur Innenstadt gehörende Stadtteils sind ideal. So zeichnet er sich unter anderem dadurch aus, neben zahlreichen vorhandenen starken Solitären mit großen künstlerischen und kreativen Kompetenzen wie dem Staatsschauspiel Dresden, der Hochschule für Musik, der Sächsischen Zeitung, dem Umweltzentren und den Theaterwerkstätten gleichzeitig große Potenziale für Gestaltungs- und Entwicklungsflächen in Form vieler unbebauter und ungenutzter Grundstücke bereit zu halten.
Ausgerechnet den Folgen dieser wahrnehmbaren, unvollendeten Entwicklung war es zu verdanken, dass die Wilsdruffer Vorstadt im Zusammenspiel mit der ebenso ausbaufähigen Friedrichstadt in den vergangenen Jahren vor allem Künstler und kreative anzog, die hier Raum für neu entwickelte Aktivitäten und Initiativen finden konnten.

Inzwischen haben sich beide Stadtteile, die Wilsdruffer Vorstadt und die Friedrichstadt, durch das Zutun ihrer Bewohner verändert und den Stadtteil auf die nächste Stufe des damit offensichtlich gelungenen Gentrifikationsprozesses vorbereitet.
Auffällig sind zum Beispiel die vielen neu entstandenen Wohngebäude und deren durchgängig hochwertige und abwechslungsreiche Architektur. Ein weiterhin herausragendes Beispiel dafür, welche Effekte in der Kombination der vorhandenen, historischen Architektur des Stadtteils mit modernen Kontrasten möglich sind, wird mit dem neuen, 2008 fertiggestellten Konzertsaal der Hochschule für Musik am Wettiner Platz deutlich. In der Wechselwirkung zum ländlich-barocken Charme des gegenüber liegenden Umweltzentrums ist ein überaus reizvolles Spannungsfeld entstanden.
Die Positionierungen des Umweltzentrums und der Hochschule für Musik als treibende und identitätsprägende Kräfte des Stadtteils auf dem Weg von der Wilsdruffer Vorstadt zum Musikerviertel wurden damit bestätigt und bestärkt.

Das Kulturkraftwerk im Kunst- und Musikviertel

KulturKraftWerk

In unmittelbarer Nähe zur Hochschule für Musik, auf der anderen Seite des Wettiner Platzes soll nun mit dem Kulturkraftwerk ein weiterer öffentlicher Ort mit anspruchsvollen Angeboten und Inhalten hinzukommen. Neben der daraus generierten Attraktivität des Stadtteils für Besucher werden auch die etwa 1.000 damit verbundenen Arbeitsplätze den in Gang gekommenen Entwicklungsprozess des Stadtteils beschleunigen. Gelingt auch noch dieses Vorhaben, kann der Stadtteil aufgrund der erfolgreichen Umsetzung der zwischen neuen und alten Bewohnergruppen sowie den Akteuren stattfindenden Dialog-Kultur Beispielwirkung für die ganze Stadt entwickeln. Das wäre ein wünschenswerter Effekt.
Die Aufgabenstellung, ein Kulturkraftwerk mit einer vielfältigen Mischung aus Unterhaltungs- und Erlebnisangeboten zu kreieren, sollte diese Entwicklung zusätzlich sicherstellen.
Neben den neuen Spielstätten für Staatsoperette Dresden und Theater Junge Generation sollten daher auf dem ehemaligen Kraftwerksareal auch ausgesuchte Angebote wie Ausstellungflächen, Museen, Kultur- und Kunsthandwerksbetriebe, Unternehmen aus dem Filmwirtschaftscluster der Kreativwirtschaft, Gastronomien sowie abwechslungsreiche kulturelle Bildungs- und Fortbildungsangebote für Alt und Jung entstehen.
Mit der im April 2011 vorgelegten Nutzungsskizze (Dresdens K-Frage) war es gelungen, alle in Frage kommenden Angebote mit konkreten Platzierungen auf die vorhandenen Räumlichkeiten in einer Idee zu vereinen.
Dabei haben sich beispielsweise aus dem Zusammenwirken von Theater Junge Generation und dem Puppentheatermuseum mit deren Bühne widerum neue Ideen und Synergien ergeben. Denn dazu passt auch der Wunsch, unter anderem für den Nachwuchs der Mitarbeiter der neuen Spielstätten eine Kinderbetreuung mit künstlerischem Schwerpunkt, beispielsweise als Thetaerkindergarten zu schaffen. Weitergeführt und erweitert werden kann diese Idee durch Kombinationen mit dem bereits existierenden Konzept des Kulturkindergartens. Auch die Potenziale einer Kombination von Kinder- und Altenbetreuung, die mit dem angrenzenden Elsa-Fenske Heim und seinen darin wohnenden Senioreninnen und Senioren aus ehemals künstlerischen und kreativen Arbeitsbereichen vorhanden und nahaliegend sind, sollten genutzt werden.
Eine weitere, mit dem Kulturkraftwerk verbundene Anforderung ist die Verwirklichung eines Zentrums der zeitgenössischen Kunst in Dresden. Für diesen Zweck ist im Rahmen der Erarbeitung von Dresdens K Frage die Idee entstanden, das ehemalige Heizhaus auf dem Kraftwerksareal zu nutzen.
Ganz aktuell konnte diese Idee in Zusammenarbeit mit der Stesad und der Drewag weiterentwickelt und eine spannende Kombination von Ausstellungsflächen für Exponate der zeitgenössische Kunst mit der zum Einsatz kommenden, modernsten Heiz- und Anlagentechnik vereinbart werden.

Das Kunstviertel

Vom Wettiner Platz über die Schützengasse Richtung Elbe führt der Weg zu einem der architektonisch spannendsten Orte Dresdens: Mit der sogenannten Neuen Terasse eröffnen der Sächsische Landtag und das Internationale Kongresszentrum gemeinsam mit dem Erlweinspeicher als modernes Pendant zur Brühl'schen Terrasse den Weg aus Richtung Altstadt in die Freidrichstadt. Zeitgenössisches Denken erfährt hier seine erste Präzision, direkt am Ufer der Elbe.
Hinter diesen Gebäuden könnte in zweiter Reihe auf dem Grundstück der Gruner+Jahr-Verlagsgesellschaft ein weiteres bedeutendes Großprojekt verwirklicht werden. Entstehen sollen hier ein architektonisch eigenständiges, hypermodernes Quartier unter Beteiligung namhafter Architekten. Auch die schon lange vermisste Kunsthalle für moderne und zeitgenössische Kunst privater Sammlungen soll hier realisiert werden. All die Ideen stehen keinesfalls in Konkurrenz zueinander. Vielmehr sind  sie sogar förderlich, denn sie helfen dabei, die Umsetzung der bereits geplanten Vorhaben zu konkretisieren. So ist beispielsweise der nun geplante Musikcampus der Hochschule für Musik aus der möglicherweise notwendigen Erweiterung der Idee des Musikviertels zu einem Kunstviertel entstanden. Gleichzeitig wurde die Idee eines Musikcolleges als Wohnstandort für die fast 200, derzeit überall in der Stadt verteilten internationalen Studenten aufgegriffen, die mit ihrer Anwesenheit maßgeblich zur Festigung des Musik- und Kunstviertel beitragen und dieses darüber hinaus auch inhaltlich beleben würden.

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